Ein Hornissennest hatte sich in einem Rollokasten gebildet und die Hornissen nagten sich ins Innere des Wohnzimmers.

WEIHNACHTSMARKT BONN (BafmW) – Hornissen im Rollladenkasten, das gehörte dieses Jahr zu den Topthemen, die mich als früheren Berufsimker beschäftigten. Zahlreiche Anrufe wegen Wespen und Hornissen trafen von Ende Juni bis etwa Ende August ein und bescherten uns mehr als 200 Einsätze. Manchmal mußten Wespennester abgetötet werden, erfreulicherweise

Hornissen im geöffneten Nest in einem Rollokasten.

Hornissen im geöffneten Nest in einem Rollokasten.

konnten auch manche Wespennester vor Ort belassen werden oder sie konnten umgesiedelt werden. Niemand tötet gern Wespennester ab, dafür muß es schon einen triftigen Grund geben. Und ich schaue mir immer an, wo ist das Nest, welche Art ist es, gibt es ein Risiko für Passanten, Kinder oder liegen echte Allergien vor? Das gehört zum Berufsbild eines Imkers, er muß sich auch mit verwandten Wildbienen, Hummeln, Wespen und eben auch Hornissen auskennen, denn das ist für uns Imker Ehrensache. Nicht nur mit Honig, Met und Bienenwachskerzen.

Bei Hornissen ist die Sachlage noch einmal eine andere, denn Hornissen stehen streng unter Naturschutz, da sie zu den bedrohten und eher seltenen Wespen zählen. Von selten konnte in diesem Sommer aber nicht die Rede sein. Es gab so viele Anfragen und anstehende Umsiedlungsaktionen, sodass ich zwischendurch sogar Nistkästen anfertigen lassen mußte, da der Fachhandel keine Nistkästen für Hornissen mehr im Angebot hatte.

Hornissen im Rollokasten

Alder, was guggst Du?

Alder, was guggst Du?

Ein besonders spektakuläres Erlebnis, etwas das nun wirklich nicht alle Tage vorkommt, fand jetzt seinen Abschluß. Bei einer Hausbesitzerin in Holzlar hatten sich Hornissen im Rollladenkasten niedergelassen. Das ist nun nicht selten. Aber die Hausbesitzerin war grundsätzlich den Hornissen wohlgesonnen und rief mich erst an, als sich die Hornissen durch die Abdeckplatte durchnagten und fröhlich durch das Wohnzimmer brummten.

Ich fuhr hin und sah mir die Bescherung an. Es war – soweit man das an der Flugfrequenz beurteilen konnte – eine starke und vitale Kolonie, die Platz brauchte und sich durch die dünne Platte genagt hatte, um sich nach unten auszudehnen. Ein paar Telefonate und die Untere Naturschutzbehörde in Bonn war grundsätzlich bereit, eine Umsiedlungsgenehmigung zu erteilen.

Alle Vorbereitungen wurden getroffen und ich öffnete den Kasten komplett. Jetzt ergab sich ein Problem, denn die Hornissen hatten ihr Nest so verwinkelt um das Rollo gebaut, dass es nur mit großen Beschädigungen hätte entfernt werden können. Und das ist nicht Sinn der Aktion.

Ich wagte den Vorschlag, das Hornissennest vor Ort zu belassen und stattdessen das eher kleine Fenster als Nistkasten nutzen zu lassen. Ein Nachbar half, wir besorgten eine Plexiglasscheibe, bauten einen Rahmen und verschraubten den Rahmen in der Wand. Die Hornissen hatten Platz zum Ausbau, dem Naturschutz war Genüge getan und die Hausbewohner hatten Hornissen-TV, denn durch die Scheibe konnten sie den täglichen Ausbau der Kolonie verfolgen.

Mülltrennung bei Hornissen?

Hunderte von Fliegenmaden und Käferlarven tummelten sich im Abfall des Hornissennestes auf der Fensterbank

Hunderte von Fliegenmaden und Käferlarven tummelten sich im Abfall des Hornissennestes auf der Fensterbank

Es war eine Herausforderung, denn bei aller Friedlichkeit sind Hornissen … nun ja … recht fragwürdig, was das Entsorgen von Abfällen, Futterresten und toten Larven betrifft. Sie urinieren nachts, indem sie vors Flugloch krabbeln, den Hinterleib strecken und dann sozusagen das Bein heben.  Bei großen Kolonien kommt da einiges an ätzender und stinkender Flüssigkeit zusammen. Das ist aber noch nicht alles. Futterreste fallen herab, bei Bauarbeiten am Nest auch gelegentlich Teile der Hülle und manche Hornissen sterben auch den normalen Alterstod im Nest. Alles sammelt sich unter dem Nest und bildete bald eine etwa zwei Zentimeter dicke, sehr übel riechende Pampe, in der sich Fliegen- und Käferlarven tummeln. Vom Geruch her so in etwa wie vergammelndes Fleisch oder eine tote Katze in der Sonne. Springt das Kopfkino an? Ein paar angefügte Fotos mit Hunderten wimmelnder Fliegenmaden mögen dazu beitragen.

Die Hausbesitzer – ich hatte sie vorher auf diese Entwicklung hingewiesen – bissen die Zähne zusammen und dichteten die Fugen zwischen Plexiglasscheibe mit Silikon ab, denn das Fenster befand sich in der Nähe des Eßtisches.

Dieser Tage rief mich die Hausbesitzerin an und bat um Hilfe, um die bevorstehende Renovierung sowie Reparatur des Rollos vorzubereiten. Sie war sich nicht sicher, ob noch Hornissen im Nest lebten.

Die Plexiglasscheibe wurde entfernt und gab den Blick auf den Erweiterungsbau komplett frei. Nach Entfernung der Abdeckplatte des Rollokastens hatten die Hornissen noch umfangreich angebaut und ihr Nest erweitert. Die Schutzhülle wurde entfernt und gab den Blick frei auf drei angebaute Waben, deren Zelldurchmesser verriet, dass die Kolonie sehr viele junge Königinnen und Männchen hatte heranziehen können.

Nach Entfernung des Erweiterungsbaus hatte ich Zugriff auf das Innere des Rollokastens und konnte die leeren Waben entfernen. Insgesamt kam ein achtetagiges Nest zum Vorschein.

Und eine ziemlich Schweinerei, das muss man festhalten. Das ist der Grund, weshalb jeder Hausbesitzer von unserer früheren Bioland Imkerei Honighäuschen bei sich bietender Gelegenheit – also auch seit Jahren an unserem Stand auf dem Weihnachtsmarkt Bonn – den Tipp bekommt, Rollokästen mit einer kleinen Leiste abzudichten. Diese Bastelei erspart viel.

 

 

 

 

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Über den Autor: Klaus Maresch
Klaus Maresch, Jahrgang 1967, lebt mit Ehemann und sieben Katzen in Bonn am Rhein. Hexen, Drachen, Vampire und andere magische Wesen sind kein Problem, wenn man sie ordentlich verwaltet. Schließlich hat in Deutschland alles seine Ordnung. Basierend auf dieser Idee, entwickelte er die Idee einer Behörde, die sich um die Belange magischer Mitbürger kümmert. So entstand das Bundesamt für magische Wesen. Hagen Ulrich kam nach dem Besuch einer Ladys Night zu Twilight zum Schreiben und veröffentlicht seine Romane im Himmelstürmer Verlag in Hamburg.

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