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Nach Bonn zum Shoppen? Kannste vergessen

Besuchen Sie Bonn, seine malerisch gelegenen Corona-Testzentren, seine als Lost-Places-Motive geeigneten zahlreichen Leerstände und bestaunen Sie pittoreske Inszenierungen von Müll.

Am Friedensplatz die Parkgarage verlassen und als erstes fällt der Blick auf eines der zahlreichen Coronatest-Angebote in der Innenstadt Bonn. (Foto: Klaus Maresch)
Am Friedensplatz die Parkgarage verlassen und als erstes fällt der Blick auf eines der zahlreichen Coronatest-Angebote in der Innenstadt Bonn. (Foto: Klaus Maresch)

Dem Gatten, dem Besten von allen, (vonne ganze Welt und überhaupt), hatte ich gesagt, ich führe in die Innenstadt und wolle mal ein bißchen shoppen und so. Die letzten Tage und Wochen waren bei uns im Verlag mit seinen Buchshops viel los und ich wollte mir selber etwas Gutes tun.

Ihm brach der Angschweiß aus und er wollte mir sämtliche Karten abnehmen. Ich war aber schneller zur Tür raus. 🙂
Ich bin also in die Stadt gefahren, sogar mit dem Auto aus dem Bonner Norden kommend (noch ist es möglich) und habe das Parkhaus am Friedensplatz angesteuert. Problemlos einen Parkplatz gefunden, was an einem Samtag schon ein Kunststück ist. Normalerweise ist das Parkhaus am Friedensplatz an einem Samstagnachmittag brechend voll, man muß dann direkt in die zweite oder dritte Ebene ausweichen. Heute war dem nicht so, ich fand nach wenigen Metern einen Parkplatz.

Nikon-Objektiv im Media Markt Bonn? Fehlanzeige

Symptomatisch für Shopping in Bonn: Ein Bauzaun und der leerstehende Sockel des Beethoven-Dekmals. (Foto: Klaus Maresch)
Symptomatisch für Shopping in Bonn: Ein Bauzaun und der leerstehende Sockel des Beethoven-Dekmals. (Foto: Klaus Maresch)

Ab in den Mediamarkt, ich bin auf der Suche nach einem Makro-Objektiv für meine Nikon, da das alte kaputt ist. Für unseren Onlinebuchshop Honighäuschen und seine Beiträge zu Umweltthemen fotografiere ich gelegentlich gern selber Bienen, Wespen und Hornissen.
Mein altes 105er Nikkor 2.8 ist kaputt.
Irreparabel.
Media Markt hat nix.
Auf zu Foto Brell.
Foto Brell hat nix.

Gay Book Fair & News Gay Book Fair & News aus der Homo-Hölle

Weitere Fotofachgeschäfte abgeklappert.
Nix. Nada! Niente!
Auf die Frage nach dem Warum? kam als Antwort eine Mixtur aus Lieferkettenproblemen seitens der Hersteller, man wolle sich als Ladeninhaber sowas nicht mehr auf Lager legen, die Umsätze seien eingebrochen und momentan sei sowieso kaum etwas los. Es kämen keine Kunden.

Hinter Foto Brell, um die Ecke am Rathaus, einer der zahlreichen Lost Places in der Innenstadt Bonn: Leer stehende Gewerbeimmobilien. (Foto: Klaus Maresch)
Hinter Foto Brell, um die Ecke am Rathaus, einer der zahlreichen Lost Places in der Innenstadt Bonn: Leer stehende Gewerbeimmobilien. (Foto: Klaus Maresch)

Bei Foto Brell kam auf meine Frage nach einer Alternative (es gibt auch gute Makro-Objektive von Sigma oder Tamron) erneut der traurige Verweis, auch da nichts vorrätig zu haben. Nikon hätte aber Kompaktkameras, auch mit dem 105er Nikkor 2.8, was dann den Kauf einer neuen Kamera und eines neuen Makros bedeutet hätte. Wobei letzteres auch nicht vorrätig war, aber zumindest stand wohl eine Lieferung in Aussicht. Irgandwann … bestimmt…. ganz sicher.
Nun ja.
Gesamtkosten für neue Kamera und Objektiv rund 2.500 Euro – zuhause wäre ich damit erschlagen worden, und das zu Recht, denn meine gute alte Nikon 300S funktioniert einwandfrei – warum also eine neue Kamera kaufen? Foto Brell muss ich wirklich zugute halten, dass der Verkäufer sich freundlich bemüht hat. Und ich hätte ja wirklich gern gekauft. Ein Makro-Objektiv, aber nicht gleich ein ganzes Kameraset.
Frustrierend, es scheint, die Innenstadt Bonn mit ihrem Angebot stirbt langsam.

Bonn hat Potential: Lost Places Fotografie

Ich bin dann durch die Stadt gebummelt, 3 Euro für einen Crepe und eine Bratwurst ausgegeben, 9 Euro fürs Parkhaus für ein paar Stunden Spaziergang und Fotosafari durch die Poststraße rauf und runter bis zur Baustelle am Bahnhof, die Friedrichstraße, über den Martinsplatz und den Münsterplatz – also einmal quer durch die Innenstadt Bonn.
Dabei entstand die kleine Fotostrecke “Besuchen Sie Bonn, seine malerisch gelegenen Corona-Testzentren, seine als Lost-Places-Motive geeigneten zahlreichen Leerstände und pittoresken Inszenierungen überquellender Müllcontainer. Bis auf den Media Markt, in dem es einigermaßen voll war, waren die Läden eher leer bis mittelprächtig frequentiert. Oftmals standen Verkäufer und Verkäuferinnen mehr oder weniger gelangweilt mit einer Zigarette vor der Tür oder untätig im Laden. Was soll man auch tun, wenn man zum zigsten Mal die Ware sortiert hat, alles geputzt ist, aber kaum ein kaufinteressierter Kunde den Laden betritt?

Recht gut besuchte Gastronomien

Einigermaßen gut besucht waren die Terrassen der Restaurants, Bars und Bistros. Aber von Überfüllung konnte keine Rede sein – und das an einem warmen, trockenen Samstagnachmittag. Viele unbesetzte Tische und das Servicepersonal in den Außengastronomien machte nicht den Eindruck, auch nur annähernd im Streßmodus zu sein. Die Gäste, die an den Tischen saßen, hatten auch nichts weiter dabei. Keine Einkaufstaschen, hier und da mal ein Rucksack – Touristen eben.

Fazit:
Bonn ist ein gutes Ziel, wenn man sich wegen Corona testen lassen will, da findet man immer eine schnelle Möglichkeit, denn in allen Coronateststationen war nichts los.
In Bonn findet man leicht ein Plätzchen, um mit Freunden in der Außengastronomie zu chillen.
Außerdem findet man in Bonn sehr gute Motive für Lost-Places-Fotografie, mehr als 30 leerstehende und teilweise ziemlich heruntergekommende Objekte geben gute Motive ab.
Wer auf Schnäppchenjagd ist oder sich von Rabatt zu Rabatt hangelt, ist in Bonn ebenfalls gut aufgehoben.
Otto und Ottilie Normalkonsument sollten keinen Gedanken daran verschwenden, in Bonn jenseits von Ramsch, Billigketten und “Haben wir leider nicht mehr vorrätig!” auf ihre Kosten zu kommen. Aber man kann auch im Internet gut einkaufen, ohne dabei sein soziales Gewissen zu belasten, denn viele Hersteller bieten ihr Sortiment direkt an. Und wenn man weiß, dass in Bonn viele (leerstehende) Gewerbeimmobilien einem Immobilienkonzern der Katholischen Kirche gehören, hat das Ausweichen auf das Onlineshopping sogar etwas Gutes, denn wer will diesem frauenfeindlichen, homophoben und aus der Zeit gefallenen Laden sein Geld in den Rachen stopfen?

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