Einer flog über den Weihnachtsmarkt
Einer flog über den Weihnachtsmarkt

Einer flog über den Weihnachtsmarkt (Foto: Frommann)

WEIHNACHTSMARKT BONN (BAFMW) – Zugegeben, unser Weihnachtsengel hat nun wirklich nichts mit der wenig liebenswerten Hauptfigur in dem Film mit Jack Nicholson zu tun. Aber beim Blick auf das Bild kam mir eben dieser Film in den Sinn und dabei dachte ich an ein paar Ereignisse der letzten Woche, ein paar Pressemeldungen der letzten Tage. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir zwei Sachen, zumal wir in diesem Online-Weihnachtsshop auch mehrere Tausend politische Bücher und religiöse Publikationen anbieten.

Das eine ist der AfD-Parteitag mit der Wahl der neuen Vorsitzenden. Alexander Gauland wollte nicht mehr, wen wundert es, mit 78 Jahren tut man sich das eine oder andere nicht mehr an. Dazu zählt eben auch die Arbeit als Führer der AfD.

Vorab, das sei gesagt, ich halte die AfD für eine rechtsextremistische Partei in der ideologischen Nachfolge der NSdAP, die meiner Meinung nach verboten werden sollte. Sie gefährdet durch Haß und Hetze die freiheitlich demokratische Grundordnung dieses Landes, ist antisemitisch, menschenverachtend, frauenfeindlich, homophob und rassistisch. Die AfD steht in meinen Augen für alles, was in der Vergangenheit Deutschland ins Verderben stürzte.

Schon im Vorfeld war ausführlich darüber berichtet worden, wen Alexander Gauland sich als seinen Nachfolger wünschte. Als Pendant zum Akademiker Jörg Meuthen sollte es Malermeister Tino Chrupalla aus Sachsen sein, denn nach den Wahlerfolgen der AfD im Osten rund um den Flügel-Fandom will Ostdeutschland eben auch entsprechend an der Parteispitze beteiligt werden.

Von Umvolkung und „Jungs, die am Galgen in Nürnberg geendet sind“

"Unter Sachsen", zu Weihnachten erhältlich im Online-Weihnachtsshop Weihnachtsmarkt Bonn.

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Tino Chrupalla ist einer dieser Politiker aus dem sog. bürgerlichen Lager der AfD, der nicht zum rechtsextremen Flügel um Bernd Höcke gehört, aber von diesem sehr unterstützt wurde. Die Definition „bürgerliches Lager“ der AfD ist eine sehr seltsame. Die AfDler verwechseln „bürgerlich“ und „völkisch“

Tino Chrupalla hat bei der Landtagswahl dem späteren sächsischen Ministerpräsidenten Kretschmer das Direktmandat mit 33% der Stimmen abgenommen. Gut, das paßt, ab 33 konnte man in Deutschland vieles werden. Auch Führer und Reichskanzler.

Im Interview mit Theo Koll blamierte sich der dem sog. „bürgerlichen“ AfD-Lager zugehörig fühlende Tino Chrupalla sich dann bis auf die Knochen. Oder ist es symptomatisch für die Rechtsextremen, dass sie sich mittlerweile sicher genug fühlen, und deshalb gar nicht mehr verhehlen, um was es den Völkischen geht?

Theo Koll befragt den neuen AfD-Co-Vorsitzenden zu dessen Wortwahl aus dem Sprachschatz der Nationalsozialisten und im weiteren Verlauf des Interviews zu einem Vorkommnis, bei dem Tino Chrupalla einem Besucher, der die Nürnberger NS-Kriegsverbrecher verharmlosend als ein paar „Jungs, die am Galgen in Nürnberg geendet sind“ bezeichnete, nicht widersprach. Tino Chrupalla widersprach dem wirklich nicht, wie das eingespielte Videomaterial belegte.

Was jetzt nicht wirklich verwundert, denn auch der von den Nazis besetzte Begriff „Umvolkung“ ist für ihn nicht negativ besetzt.

Diese Strategie der Verharmlosung und Relativierung von NS-Verbrechen und -verbrechern sowie -Vokabular, wie sie schon lange bei den Völkischen zu beobachten ist,  führte schon dazu, dass sich bei einer über die Jahre in Thüringen immer wieder durchgeführten Befragung zu bestimmten Fragen das Meinungsbild gewandelt hat. Die Aussage, dass bei den Nationalsozialisten ja nicht alles schlecht gewesen sei, gewinnt in Thüringen immer mehr an Zustimmung, so eine Umfrage der Uni Jena.

Insofern erscheint es nur folgerichtig, wenn die AfD, die ja laut Jörg Meuthen bürgerlich und regierungsfähig sein oder werden will, bei den nächsten Bundestagswahlen einen Kandidaten für das Amt des „Führer und Bundeskanzlers“ aufstellen wird. Wir werden es erleben.

Hass auf die Katholische Kirche

"Die Angstprediger", zu Weihnachten erhältlich im Online-Weihnachtsshop Weihnachtsmarkt Bonn.

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Und wo wir schon bei den Ewiggestrigen sind, noch kurz ein paar Worte zu Kardinal Gerhard Ludwig Müller. Der vormalige Präfekt der Glaubenskongregation und Bischof von Regensburg stellte, so ein Beitrag in der Süddeutschen, unlängst ein Buch des Kurienkardinals Robert Sarah vor. „Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden“, so der auf eine Bibelstelle abhebende schwülstige Titel des religiösen Werkes eines Autors, der bisher auch nicht damit aufgefallen ist, zu den der Zukunft zugewandten Schriftsteller zu gehören und auf drängende Fragen eine Antwort außerhalb von Gebet zu haben, ist da ganz auf Linie von Kardinal Gerhard Ludwig Müller, dessen Bücher in unserem Online-Weihnachtsshop auch erhältlich sind.

Wir empfehlen diese Bücher von ganzem Herzen, denn sie sind ein wertvoller Beitrag zur Rettung des Klimas. Ja wirklich! In jedem dieser Bücher ist CO2 gespeichert und das ist auch das Beste, was man über die Bücher literarischer Güllepumpen wie Kardinal Gerhard Ludwig Müller und seines Amtsbruders sagen kann. Bete und gehorche widerspruchslos Deinem Bischof, dem Geweihten des Herrn, denn er wandelt im Licht des Glaubens und weiß Bescheid!

Kardinal Gerhard Müller versteigt sich mittlerweile auch, und da befindet es er in guter Gesellschaft zu vielen Rechtsradikalen, in wilden Verschwörungstheorien über eine „neue Weltelite“. Diese, so die SZ, könne „der Versuchung kaum widerstehen, sich wie eine neue Herrenrasse aufzuspielen“. Des weiteren vergleicht Kardinal Müller das Selbstbestimmungsrecht der Frau über ihren Körper mit der Rechtfertigung der Sklaverei.

Und wie Kardinal Sarah in seinem Buch gegen die „Krise des Glaubens, des Priestertums und der Kirche“ nicht etwa auf „Strukturreformen, Anpassungen an das Unvermeidliche, das Verschweigen unangenehmer Wahrheiten und die Umdeutung der geoffenbarten Mysterien des christlichen Glaubens in überzeitliche existenzielle Prinzipien“ setzt, so verweisen beide in dieser schweren „Stunde der Prüfung (der Katholischen Kirche)“ darauf, dass nur zahllose Gebete um Bekehrung helfen würden. Das ist Täter-Opfer-Umkehr vom Feinsten.

Ja dann …

Kardinal Müller redet gern von einem „entfesselten Hass auf die katholische Kirche“. Wenn man am 27.10.2019 den Beitrag „Wie krank ist Homo-Heilung?“ auf ARTE gesehen hat, in dem es um Homo-Heilung ging und das Leid, das „im Namen Gottes“ schwulen und lesbischen Jungen und Mädchen durch ultrareligiöse Eltern und religiös versiffte Ärzte angetan wurde und wird, die mittels Umerziehungslager, Gehirnwäsche, Heilungsmessen, Ekeltherapien, Elektroschocks, frontale Lobotomien sowie Exorzismus (!) und Pizza mit Oregano, letzteres ist laut Dr. Winkelmann vom Bund katholischer Ärzte ein probates Mittel, um homosexuelle Gelüste zu unterdrücken, dann kann als Antwort darauf wohl kaum von einem entfesselten „Hass auf die Katholische Kirche“ die Rede sein. Vom Mißbrauch von Kindern ganz abgesehen.

Man muß Klerikern wie Kardinal Müller fast schon dankbar sein, die unfreiwillig dazu beitragen, durch ihre Haltung eine Institution zu zerstören, die viele gute Beiträge geleistet hat. Ich persönlich als Atheist beispielsweise möchte auch nicht, dass die Katholische Kirche zerstört wird. Sie soll ruhig weiterbetrieben werden.

Als Museum und Verein zur Brauchtumspflege. Das reicht.

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